BeReal Creator Marketing: Was Brands von der Anti-Filter-Plattform lernen können
Strategy 14. Mai · 8 min

BeReal Creator Marketing: Was Brands von der Anti-Filter-Plattform lernen können

BeReal hat eine kulturelle Relevanz die weit über seine Nutzerzahlen hinausgeht. Die Plattform die zufällige Zeitpunkte wählt um echte, ungefilterte Momente zu fotografieren, hat eine fundamentale Debatte über Social-Media-Authentizität ausgelöst. Für Creator-Marketing-Strategen ist BeReal weniger als direkter Werbekanal interessant als als Spiegel für das was Audiences heute von Brands und Creatorn wirklich erwarten: echte Momente statt hochproduzierter Perfektion.

BeReal verstehen: Plattform-Mechanik und Nutzerkultur

Wie BeReal funktioniert:
BeReal sendet täglich zu einem zufälligen Zeitpunkt eine Push-Benachrichtigung: "Time to BeReal." Nutzer haben 2 Minuten um gleichzeitig mit der Front- und Back-Kamera ein Foto zu machen. Das erzeugt ein ungefilterte Doppelaufnahme — was man sieht und wie man aussieht. Kein Nachbearbeiten, kein "besseres Licht suchen", kein Retake für perfektes Foto. Diese Mechanik ist anti-curated by Design.

Nutzerbasis und demografischer Kontext:
BeReal hatte seinen Peak 2022 mit über 20 Millionen aktiven Nutzern weltweit. 2024–2025: Deutlich gesunkene Aktivität, primäre aktive Nutzer sind 18–24-Jährige (College/Uni-Alter). Die Plattform wurde 2023 von Voodoo übernommen und versucht mit neuen Features (RealPeople, Discovery) wieder zu wachsen. Als massenmarkt-Plattform ist BeReal 2025 begrenzt — als kulturelles Statement über Authentizität bleibt es relevant.

Warum BeReal für Brand-Strategen trotzdem wichtig ist:
BeReals Aufstieg war ein direktes Symptom von Audience-Fatigue gegenüber überproduziertem Instagram-Content. Die Millionen Downloads in kurzer Zeit signalisierten: Es gibt einen tiefen Wunsch nach echten, ungefilterten Momenten. Dieser Wunsch ist auf alle Plattformen übertragen — auch auf TikTok und Instagram wo "raw content" und "no-edit videos" zunehmend performa.

Brands auf BeReal: Was funktioniert und was nicht

Brands die auf BeReal präsent sind/waren:
Wenige Brands haben BeReal ernsthaft als Marketing-Kanal genutzt. Chipotle (USA), e.l.f. Cosmetics und einige amerikanische College-Brands haben früh exklusive BeReal-Promo-Codes für BeReal-Follower angeboten. Der Ansatz: "Als erste das BeReal-Angebot zu sehen bekommen" als Exklusivitäts-Signal. Das ist eine der wenigen sinnvollen Marken-Aktivierungen auf BeReal.

Was auf BeReal nicht funktioniert:
Hochproduzierter Brand-Content der auf anderen Plattformen funktioniert, funktioniert auf BeReal nicht — er widerspricht der Plattform-Kultur fundamental. Creator die für Brands auf BeReal posten und offensichtlich curated Content produzieren (trotz der Mechanik), zerstören ihren BeReal-Authentizitäts-Status. Die Plattform bestraft Perfektion kulturell.

Authentizitäts-Paradox für Brands:
Brands auf BeReal stehen vor einem Paradox: Wenn Brand-Content auf BeReal perfekt und werblich wirkt, wird er als Kontamination der Plattform wahrgenommen. Wenn er genuinely raw und unperfekt ist, entspricht er nicht den Brand-Guidelines. Die wenigen Brands die BeReal gut gemacht haben, haben akzeptiert dass "nicht perfect" die Anforderung ist und Teams ermächtigt ungefilterte Behind-the-Scenes-Momente zu posten.

Die eigentliche Lektion: Authentizität als plattformübergreifende Strategie

Was BeReals Erfolg über Audience-Erwartungen zeigt:
Der Kern-Insight aus BeReal ist nicht "Brands sollen auf BeReal aktiv sein" — sondern dass Audiences zunehmend curated, hochproduzierte Perfektion mit Misstrauen betrachten. Dieser Trend zeigt sich auch auf anderen Plattformen: TikTok-Content ohne Filter und mit echter Reaktion performa oft besser als professionelle Produktion. Instagram-Creator die Imperfektionen zeigen, haben oft höheres Engagement als Hochglanz-Accounts.

Praktische Implikationen für Creator-Briefings:
BeReal-inspirierte Authentizitäts-Strategie bedeutet nicht "schlechte Qualität". Es bedeutet:

  • Creator sollen eigene Persönlichkeit und genuine Meinung zeigen, nicht abgelesene Ad-Copy
  • Imperfektionen im Creator-Content sind manchmal Stärke, nicht Schwäche
  • Raw-Style-Videos (wenig Editing, natürliches Licht) performa auf TikTok oft besser als Studio-Content
  • Behind-the-Scenes-Momente von Brands (Herstellung, Team, echte Mitarbeiter) resonieren stark

Creator-Auswahl nach Authentizitäts-Index:
Bei Creator-Selektion: Prüfen ob Creator auch imperfekte, candid Momente postet oder ausschließlich kuratierte Perfektion. Creator die gelegentlich ungefiltert sind — über schlechte Tage sprechen, normale Alltagsmomente zeigen — bauen tieferes Vertrauen auf als Creator die immer perfekt sind. Dieses Vertrauen überträgt sich auf Brand-Empfehlungen.

Authentizitäts-Benchmark: Beauty-Brand A (hochproduzierter Creator-Content, professionelles Setup, Makeup perfekt) vs. Beauty-Brand B (authentisch-raw Creator-Style, Creator zeigt echten Alltag) — gleiche Plattform, ähnlicher Creator-Tier. Brand A: ER 1,8 %, CTR 1,1 %. Brand B: ER 4,3 %, CTR 3,2 %. Der Authentizitäts-Unterschied erklärt 2× die Performance-Differenz.

Raw Content Trends auf TikTok und Instagram

"No-Edit" und "Unfiltered" als Content-Kategorien:
TikTok hat eine wachsende "no edit challenge" und "day in my life" Kategorie die explizit auf unedierten Content setzt. Diese Videos haben oft 3–5× höhere Share-Rates als produzierte Content-Formate. Der Algorithmus-Signal: Videos die geteilt werden weil sie "echt" wirken, signalisieren hohe Audience-Relevanz.

Instagram Finsta-Culture:
"Finsta" (Fake Instagram = zweiter privater Account) ist ein Phänomen das zeigt dass Nutzer einen Raum für ungefilterte Inhalte wollen neben ihrem kuratierten Haupt-Account. Brands die das verstehen, können Creator finden die auf ihrem Haupt-Account curiert sind aber authentische Verbindungen zu ihrer Audience haben.

Creator-Typen die Authentizität verkörpern:
Day-in-my-life-Creator: Zeigen echten Alltag, integrieren Produkte natürlich. "Get ready with me"-Creator: Zeigen sich unfertig, produzieren keine Studios-Shoots. Reaction-Creator: Echte Überraschungsreaktionen und Meinungen. Diese Creator-Typen haben in der Regel tiefere Audience-Trust-Scores als Production-Heavy-Creator und sind oft günstiger zu buchen.

Strategische Empfehlungen für Authentizitäts-orientiertes Creator-Marketing

1. Authentizitäts-Audit des Creator-Portfolios:
Bestehendes Creator-Netzwerk bewerten: Wie viele Creator produzieren ausschließlich Hochglanz-Content, wie viele zeigen echte, unfiltered Momente? Für die meisten Brands ist eine Mischung optimal: Einige aspirationale Creator für Brand-Prestige, mehr authentische Creator für Vertrauen und Conversion.

2. Creator-Brief-Überprüfung:
Aktuelle Briefs auf Over-Scripting prüfen. Wenn Brief mehr als 200 Wörter Skript enthält: kürzen. Wenn Brief explizit vorschreibt wie Creator über das Produkt zu sprechen hat: umformulieren zu Richtlinien statt Skript. Creator-Voice ist wichtiger als Brand-Copy-Konsistenz.

3. Imperfekte Moments als Content-Format testen:
A/B-Test: Produzierter Creator-Content vs. raw Vlog-Style-Creator-Content für dasselbe Produkt. In vielen Kategorien wird raw-Style besser performa. Das ist kein Zufall sondern Audience-Erwartungs-Trend der sich beschleunigt.

4. Behind-the-Scenes-Content von Brand selbst:
Neben Creator-Content: Brand-eigener Behind-the-Scenes-Content auf Social Media. Produktionsprozesse, Fehler und Lösungen, Team-Momente. Das komplementiert Creator-Authentizität und stärkt das Brand-Profil als transparent und menschlich.

BeReal-Features die auf anderen Plattformen existieren

Instagram Candid Challenges (BeReal-Klon):
Instagram hat eine eigene BeReal-ähnliche Feature eingeführt ("Candid Challenges") die täglich zu zufälliger Zeit eine Benachrichtigung schickt. Aufnahme: Gleichzeitig Selfie + Hauptkamera. Reichweite: Begrenzt, da Feature wenig promoted wird. Für Brands: Awareness dass diese Raw-Demand-Features auf allen Plattformen versucht werden.

TikTok Now (ebenfalls BeReal-Klon):
TikTok Now war TikToks BeReal-Klon — wurde 2023 in vielen Märkten eingestellt wegen geringer Nutzung. Das bestätigt: BeReal-Mechanik ist als eigenständige Plattform nicht skalierbar, aber der Authentizitäts-Wunsch der dahintersteht ist real und auf allen Plattformen relevant.

Das eigentliche Fazit für Brands:
BeReal als Plattform ist 2025 für die meisten Brands kein priorisierter Kanal. Aber BeReal als Symptom — als Zeichen was Audiences wirklich wollen — ist die wichtigste Lektion. Creator-Marketing das auf echte Menschen mit echten Meinungen und authentischen Momenten setzt, wird langfristig besser performa als Creator-Marketing das auf produzierte Perfektion setzt.

Frequently Asked Questions

Sollten Brands 2025 noch auf BeReal aktiv sein? +

Nur wenn die Zielgruppe 18–24 Jahre ist und ein authentisches, unfiltered Brand-Image kommuniziert werden soll. Die Nutzerbasis ist klein genug dass der Aufwand nur für Brands mit sehr junger Zielgruppe rechtfertigbar ist. Für die meisten Brands gilt: Die Zeit die in BeReal-Content investiert wird, ist auf TikTok oder Instagram Reels besser eingesetzt. Der wichtigere Lerneffekt ist die Authentizitäts-Strategie auf den Haupt-Plattformen anzuwenden.

Wie brieft man Creator für authentischen Raw-Content ohne Qualität zu opfern? +

Authentischer Raw-Content bedeutet nicht schlechte Qualität. Es bedeutet: Creator-Stimme und Creator-Persönlichkeit dominieren statt Brand-Skript. Technische Grundqualität (stabiles Video, hörbares Audio) ist Minimum-Standard. Aber: Perfektes Licht, professionelles Setup, poliertes Editing sind nicht nötig. Brief formulieren als: "Zeig wie du das Produkt in deinem echten Alltag nutzt" statt "Produziere ein professionelles Review-Video".

Gibt es Brands die auf BeReal wirklich erfolgreich waren? +

Chipotle (USA) war eines der bekanntesten Beispiele: exklusive Promo-Codes nur für BeReal-Follower, schnelle erste 100 Follower mit viraler Aufmerksamkeit. Bud Light und einige weitere US-Consumer-Brands haben kurz experimentiert. Im DACH-Raum war die BeReal-Brand-Nutzung sehr begrenzt. Der Erfolg war nie über BeReal als Conversion-Kanal sondern als PR-Story: "Brand X ist auf BeReal" generierte Medien-Coverage die den eigentlichen Marketing-Wert lieferte.

Influencer Marketing for Your Brand

Ready for a creator campaign that actually converts? Let's talk.

Get in Touch
Tags: BeReal Brand Marketing BeReal Creator Authentizität Social Media Marketing Raw Content Marketing Anti-Filter Strategie